Casus Blancuum

Was haben die Antideutschen zum Thema Antisemitismus zu sagen? Nun, bei unvorbelasteten Menschen könnte der Eindruck entstehen, wenn Antideutsche über Antisemitismus reden, dann würden sie die antisemitische und rassistische Volksgemeinschaft in Deutschland kritisieren. Weit gefehlt.

Es gab in der Geschichte der Antideutschen eine kurze Zeit (die 90er), in der tatsächlich im Zentrum der Kritik Deutschland stand. Diese Kritik war allerdings durch einige Besonderheiten gekennzeichnet. Antideutsche, etwa bei der Bahamas, begriffen Auschwitz in erster Linie als einen Ort an dem Wert und nicht etwa Menschen vernichtet wurde. Die besondere Kritik an Deutschland war nur Teil der allgemeinen Kritik am Kapitalismus und dieser in allen Ableitungen und Erklärungen untergeordnet. Dass Auschwitz eine spezifisch deutsche Tat war, wurde ausgeblendet. Zu dieser Zeit empfanden die Antideutschen es als Zumutung aus der Theorie eine Praxis folgen zu lassen. Sie beharrten auf der Theorie um der Theorie willen. Mit dieser praktischen Zurückhaltung war dann Schluss, als etwas neues in das Zentrum ihrer Kritik rückte: der islamistische Antisemitismus. Nun konnten die Antideutschen, ohne es als Zumutung zu empfinden, zur Praxis schreiten. Dadurch, dass sie Auschwitz immer nur als allgemeines Phänomen des Kapitalismus gesehen hatten, war es möglich, ihre ganze Theorie auf die IslamistInnen zu übertragen. Jetzt musste nicht mehr Deutschland kritisiert werden, sondern die IslamistInnen. Als Nebeneffekt fanden die antideutschen Gruppen viele neue AnhängerInnen, neue antideutsche Gruppen entstanden. Dieser Mitgliederzuwachs wäre mit einer Kritik an Deutschland nicht zu haben gewesen.

Damit einhergehend veränderte sich auch die Sichtweise auf Deutschland. Bei vielen Antideutschen wird inzwischen vom sekundären Antisemitismus in Deutschland geredet. Sekundär, weil die Deutschen (wieder) antisemitisch geworden seien, wegen der Erinnerung an Auschwitz. Im Gegensatz dazu stehe der eigentliche (primäre) Antisemitismus, der aus Deutschland am 8. Mai 1945 verschwunden sei. Leute wie M. Küntzel behaupten das tatsächlich und allen Ernstes. Dieser primäre Antisemitismus sei nun ins Exil nach Ägypten, zu den PalästinenserInnen und in andere islamische Gesellschaften gegangen. Und dort würde der Antisemitismus nun auch noch radikalisiert (wieder laut M. Küntzel).

Man muss sich das genau vor Augen halten: Am Ende des zweiten Weltkrieges sei plötzlich alles Antisemitische aus Deutschland verschwunden. Das sagen Antideutsche, die behaupten, gegen Antisemitismus zu kämpfen!

Das einzige, was die Antideutschen noch an auf Deutschland gerichteter Kritik vorbringen, ist die, dass die Deutschen Sympathien mit den IslamistInnen hätten.* Wenn das die einzige noch übrig gebliebene Kritik an Deutschland ist, dann müssen wir diese positive Bezugnahme auf Deutschland bekämpfen.

Wer in Deutschland von Antisemitismus redet, muss von der mörderischen, antisemitischen und rassistischen deutschen Volksgemeinschaft reden. Diese Volksgemeinschaft hat NICHT 1945 aufgehört zu existieren, sondern existiert bis heute. Diese Volksgemeinschaft entstand durch die gemeinsam von den Deutschen begangenen Verbrechen.

Die Volksgemeinschaft hat ein einziges Ziel: die Verfolgung und Vernichtung von Menschen, die von den Deutschen als nicht zugehörig gesehen werden. Die Divergenzen, die von PolitikerInnen und AktivistInnen innerhalb der Volksgemeinschaft diskutiert werden, sind eigentlich die, wer die Opfer denn nun sein sollen. Und Opfer, d.h. getötete und verletzte MigrantInnen und JüdInnen hat es in Deutschland viele gegeben in den letzten 14 Jahren.

Antideutsche Gruppen, die zum Kampf gegen den Islamismus aufrufen, machen sich selten Gedanken darüber. Nachfragen dazu werden mit dem Argument abgetan, zu Deutschland hätte mensch doch schon genug gemacht. Genau hier unterscheiden sich die Antideutschen und wir. Genug getan (gegen Deutschland) ist erst dann, wenn es Deutschland nicht mehr gibt.
Germans shut up!

grenzfall · April, 2003


HOME Erklärungen

 

 

___

*) Um es klar zu sagen, auch wir kritisieren und bekämpfen Deutsche, die sich positiv auf Hamas und Djihad beziehen. Aber nicht, weil Hamas und Djihad antisemitisch sind, sondern weil die Deutschen, die sich auf Hamas und Djihad beziehen, AntisemitInnen sind.


 

 


 


 

 


 


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Sponsored LinksYour Ad Here